Mittwoch, 19. August 2015

Alpenüberquerung - Die Vorbereitungen

Der Traum einer Alpenüberquerung hat mich hin und wieder heimgesucht. Aber es hat einfach nie gepasst. Jetzt habe ich es gemacht! Und es hat sich gelohnt. Ohja, und wie es sich gelohnt hat! Wenn du noch überlegst, dann sage ich dir jetzt: Mach es! Tu es einfach!

Ich werde in den kommenden Tagen über meine Erlebnisse und Erfahrungen berichten. Und wer weiß? Vielleicht bekommst du dadurch Lust? Vielleicht helfen dir meine Erfahrungen bei eigenen Mehrtagestouren? Vielleicht liest du es auch einfach nur gerne?

Schritt 1 - Such dir eine Begleitung. Oder gehst du lieber alleine? 

Ich muss gestehen, dass ich zu meinen Tourenpartnern eher zufällig gekommen bin. M. hat auf der Seite des Deutschen Alpenvereins (DAV) geschrieben, dass ihr eine Begleitung für eine Alpenüberquerung fehle. Mir ging es ähnlich. Aus meinem Freundeskreis konnte ich mir niemanden vorstellen, der Lust und Zeit hätte, mit mir durch die Berge zu marschieren. Ohne lange nachzudenken, habe ich geantwortet. Und wir waren uns direkt sympathisch. Aber natürlich ist Sympathie noch lange nicht alles. Auch am Berg muss es passen. Nach dem ersten Kennenlernen haben wir uns dann also auch zum Wandern verabredet. Schließlich ist das Gehtempo neben der Kondition, der Trittsicherheit und der Schwindelfreiheit auch nicht zu vernachlässigen. Eine Route mit ein bisschen Kraxelei, einem steilen Aufstieg in der Sonne und einem herrlichen Ausblick hat dann aber gezeigt: Das passt!



Schritt 2 - Wähle deine Route.

Wie erfahren bist du in den Bergen? Wie viele Höhenmeter kannst du täglich zurücklegen? Wie sieht es konditionell bei dir aus und was traust du dir zu? Diese Fragen müssen natürlich vorab geklärt werden. Nicht ist frustrierender, als nach der zweiten Etappe aufzugeben, weil man sich überschätzt hat. Bist du schwindelfrei? Kann man eine Route mit Klettersteig auswählen? Musst du auf Materialseilbahnen zurückgreifen, weil du das zusätzliche Rucksackgewicht nicht tragen kannst? Überleg dir, was du wirklich schaffst und such dir danach deine Route aus.

Es war unsere erste Alpenüberquerung und deshalb haben wir uns für den klassischen E5 entschieden. Allerdings unter dem Vorsatz, weder Materialseilbahnen noch Hilfsmittel wie Bus, Bahn und Taxis zu nutzen. Und wir wollten den Weg mit Varianten gehen, um möglichst oft dem Menschenstrom auszuweichen. Als berühmter Fernwanderweg war klar, dass wir dort sicher nicht alleine unterwegs sein werden.


Schritt 3 - Pack möglichst wenig ein!

Genau darin liegt die Kunst. Denn du musst alles tragen, was du einpackst. Jedes zusätzliche Gramm drückt auf deine Schultern und deine Hüfte. Also reduziere das Packmaß auf das Notwendigste. Aber vergiss auch nichts wichtiges: Die anderen haben schließlich auch nur das nötigste dabei und können dir wohl kaum mit einer zweiten Zahnbürste oder einer Ersatzregenjacke aushelfen. Schreib am besten alles auf, was du einpacken möchtest. Und jetzt sortier nochmal aus!

Kleidung: Wanderhose, kurze Hose, 2 T-Shirts + Schlafshirt, 4 Unterhosen, 2 Sport-BHs, Skiunterwäsche (falls es kalt wird), 1 Fleece, 1 Regenjacke, Mütze, Handschuhe, 3 Wandersocken, Hüttenschuhe

Waschzeug: Zahnbürste, Haargummis, Microfaser-Handtuch

Sonstiges: Wanderschuhe, Wanderstöcke, Geld, Personalausweis, Krankenversicherungskarte, DAV-Ausweis, EC-Karte, Handy, Kamera, Taschenmesser, Stirnlampe, Sonnenbrille, Ohropax, Taschentücher, Regenhülle f. Rucksack, Hüttenschlafsack, Trinkblase

Dinge, die wir aufgeteilt haben: Zahnpasta, Shampoo, Bürste, Creme, Handwaschpaste, Sonnencreme, Deo, Labello, Erste-Hilfe-Set, Gold-Silber-Folie, Brot, Müsliriegel, Käse, Wurst, Müsli, Nüsse, Tee, Kaffee, Gummibärchen, Schokolade, Wanderführer

 

Schritt 4 - Bereite dich vor.

Vielleicht möchtest du deine Kondition noch ein wenig aufbessern? Vielleicht magst du zuvor auch noch die ein oder andere Tour in den Bergen unternehmen? Ich hatte das zumindest vor. Doch der Vorsatz allein bewirkt meist nicht viel und mein Schweinehund war in den Wochen zuvor einfach zu groß ...

Aber auch die mentale Vorbereitung ist wichtig. Setz dich nicht unter Druck und mach dir klar, dass du niemandem etwas beweisen musst. Die Alpenüberquerung ist für dich. Nicht für deine Freunde und nicht für Facebook. Es ist nicht schlimm, wenn du langsam gehst. Du musst nicht auf die höchsten Gipfel. Du kannst dir auch drei Tage mehr Zeit nehmen. Ich habe mir vorab ziemlich viele Gedanken darüber gemacht, ob ich mir nicht doch zu viel vorgenommen habe. Was, wenn ich das nicht schaffe? Was, wenn ich abbrechen muss? Ja, und? Wenn ich abbrechen muss, dann breche ich halt ab. Es wäre schade, aber dadurch bin ich kein Verlierer. Einen Strandurlaub bricht man schließlich auch ab, wenn man sich einen Virus einfängt. Warum sollte man dann eine Alpenüberquerung durchziehen müssen, wenn man konditionell einfach nicht klarkommt?

Klar ist aber auch, dass es immer wieder die Momente geben wird, in denen man sich denkt: "Warum genau tu ich mir das eigentlich an?". Da muss man halt auch mal die Zähne zusammenbeißen und sich selbst Mut machen. Gleich aufzugeben ist sicher keine Option! Und das Gefühl, es geschafft zu haben, ist es allemal wert!

Kommentare:

Summer.Rain hat gesagt…

Wow.. wie klasse! Herzlichen Glückwunsch zu deiner ersten Alpenüberquerung!
klingt wirklich sehr interessant und toll, dass du die Erfahrung mit uns geteilt hast.
Freue mich auf die folgenden Posts dazu!

liebe Grüße, Julia ♥

Julia hat gesagt…

Wow, das hört sich super spannend und nach einem beeindruckenden Erlebnis an! Herzlichen Glückwunsch. Ich bin gespannt auf weitere Berichte.

Liebe Grüße,

Julia